Quicknavigation

Seitenoptionen

Schrift:
      Kontrast
Zur Startseite

Volltextsuche

 

Seiteninhalt

Gewaltprävention

 

Abstract Konzept «MIT-EIN-ANDER« in Kita und Schule (EFFEKT/Anti-Bullying)

Der ganzheitliche Ansatz des Konzepts „MIT-EIN-ANDER in Kita und Schule“ im Land Brandenburg stellt sich dem Erfordernis einer sehr frühzeitigen Prävention, bereits im Kindergartenalter. Das Konzept beginnt in der Kindertagesstätte mit dem evaluierten Programm EFFEKT – Entwicklungsförderung in Familien: Eltern-Kinder-Training - der Universität Erlangen-Nürnberg. Im Vordergrund dieses Programms stehen dabei vor allem eine Förderung der elterlichen Erziehungskompetenz (Training zu: Grundregeln positiver Erziehung; Grenzen setzen; Umgang mit schwierigen Erziehungssituationen und Selbstvertrauen der Kinder stärken) sowie die Förderung des kindlichen Sozialverhaltens (Trainings zu: Gefühle wahrnehmen; Gründe für Verhalten anderer erkennen; Perspektivwechsel; Folgen des eigenen Verhaltens einschätzen; Lösungen für Konflikte mit anderen Kindern entwickeln). Die vom Konzept vorgesehene aufeinander aufbauende Entwicklungsbegleitung und  Prävention setzt sich mit dem Programm Anti-Bullying vom Norwegischen Psychologen und Pädagogen Prof. Dr. Dan Olweus in der Schule fort, eines der überzeugendsten gewaltpräventiven Programme weltweit. Die Wirksamkeit dieses Mehrebenenprogramms, das sich in systemischer Sichtweise mit dem gesamten Mikrokosmos Schule befasst, ist ebenfalls bereits überzeugend empirisch belegt. Das Besondere an diesem Programm ist der Versuch, auf mehreren Ebenen in der Zusammenarbeit von LehrerInnen, SchülerInnen und Eltern langfristige Maßnahmen zu planen und durchzuführen und dabei die schon vorhandenen positiven Einzelansätze in der jeweiligen Schule zu integrieren.
 
Olweus formulierte für sein Programm einige grundsätzliche Prinzipien: ein Schulklima geprägt von Wärme und Anteilnahme, ein autoritatives (nicht autoritäres) Erziehungsmodell, gemeinsam erarbeitete verbindliche Normen und Regeln gegenüber inakzeptablen Verhaltensweisen, die sofortige konsequente Anwendung „nichtfeindlicher Strafen“ bei Regelverletzungen und  Unterstützung und Schutz für Opfer. Seit 2006 sind von einem interdisziplinären Prozessteam unter Federführung des Polizeipräsidiums Land Brandenburg,  bestehend aus PädagogInnen, ErzieherInnen, SchulpsychologInnen, Juristen, MitarbeiterInnen von Kommunalverwaltungen und Polizei, Prozessschritte und weitergehende Module zur praktischen Umsetzung dieser Prinzipien operationalisiert worden.
 
Im Oktober 2008 wurde zwischen dem Landkreis Ostprignitz-Ruppin, dem Polizeipräsidium, dem Institut für Psychologie der Universität Erlangen-Nürnberg, dem Staatlichen Schulamt Perleberg, dem Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg und dem Deutschen Roten Kreuz/Kreisverband Ostprignitz-Ruppin e.V. eine Kooperationsvereinbarung mit den Fortschreibungen Mai und September 2010 geschlossen. Sie beinhaltet neben einer qualifizierten Prozessbeschreibung auch die Erprobung der Umsetzung beginnend im Bereich des Staatlichen Schulamtes Perleberg. Jeder der Kooperationspartner erfüllt dabei Aufgaben im Rahmen seiner Kompetenz und Zuständigkeit, denn das Konzept wird nur Früchte tragen, wenn es mittelfristig im Alltag der Partner gelebt wird. So unterstützt beispielsweise das LISUM künftig bei den Fortbildungen der Krisenteams, der thematischen Verankerung in der Schulleitungs-Fortbildung. Eine Erweiterung der Kooperation um die Partner Freie Universität Berlin, Fachbereich Erziehungswissenschaft (u.a. Verknüpfung mit NETWASS) und der Landesakademie für Lehrerbildung ist in Vorbereitung. Zwischen dem DRK/KV OPR als Generalsponsor und dem StSchA Perleberg besteht ein Sponsoringvertrag. Als Einladung an Vertreter der Wirtschaft und Unternehmen bietet er ihnen die Möglichkeit einmal mehr auch ihre Verantwortung bei der Gewaltprävention sowie für eine gedeihliche Sozialisation junger Menschen wahrzunehmen.
 
Qualitätsstandards für den Umsetzungsprozess der beiden bewährten Präventionsprogramme wurden erstmals im Herbst 2009 in einem Qualitätshandbuch als Handlungsleitfaden veröffentlicht.
Auf der Klassenebene vereinbaren Lehrer- und Schülerschaft klare Regeln zum Umgang mit Gewalt und erarbeiten sich positive und negative Sanktionen. Regelmäßiges Loben und Anerkennung schaffen ein günstiges Klassenklima. Auch der Klassenrat und ausgebildete SchülermediatorInnen übernehmen dafür Verantwortung. Ernsthafte Gespräche mit den Beteiligten, z.B. im Rahmen eines Täter-Opfer-Ausgleiches, sowie deren Eltern finden u.a. auf der persönlichen Ebene statt. Im Konzept ist ausführlich ein Standardverfahren für schulische Reaktionen beschrieben.
 
Auf der Schulebene schaffen Schulkonferenzen eine gemeinsame Verpflichtung zur Durchführung des Programms und einer Übernahme von Verantwortung. Nach dem auf der Grundlage praktischer Erfahrungen und erster Ergebnisse der Prozessevaluation weiterentwickelten Konzept in der 2. Ausgabe vom Frühjahr 2012 gewährleistet ein sogenanntes „Anti-Bullying-/Krisenteam“ aus PädagogInnen, auch Schülern und Eltern die kontinuierliche Umsetzung und sukzessive ein einheitliches Handeln aller Erwachsenen. Es sorgt neben klaren verbindlichen Kooperationsstrukturen zu Fachstellen auch für die organisatorischen Voraussetzungen für ein Fallmanagment zur Früherkennung und frühzeitigem Handeln beim Verdacht auf eine Kindeswohlgefährdung oder auf  einen krisenhaften Prozess in der Persönlichkeitsentwicklung (Amokprävention). Im Konzept wurden ergänzend auch Hinweise zum Umgang mit den Schulischen Notfallplänen aufgenommen. Das Forschungsprojekt NETWASS korrespondiert gut mit dem Konzept MIT-EIN-ANDER. Deshalb besteht seit längerem eine Arbeitsbeziehung zum Bereich Erziehungswissenschaften der Freien Universität Berlin. Die Unfallkasse, als Mitglied im Prozessteam, unterstützt einen dreijährigen Test von DYRIAS (Dynamisches Risikoanalysesystem) zur Unterstützung der Früherkennung im Bereich des StSchA Perleberg.
Wichtige Hinweise für den Übergang der Programme von der Kita in die Grundschule sowie dann die weiterführende Schule ergänzen das Konzept.
 
Ziel einer Prozessevaluation ist die weitere Qualifizierung des Umsetzungsprozesses und die Erschließung derjenigen Faktoren, die eine breite Umsetzung des Konzepts in Kindertageseinrichtungen und Schulen in der Fläche befördern. Die wissenschaftliche Untersuchung in den Einrichtungen selbst wurde durch das zuständige Referat 31 des MBJS im Februar 2010 genehmigt.
Das Deutsche Forum für Kriminalprävention fördert ausdrücklich diese Prozessevaluation der Umsetzung der beiden bereits wirkungsevaluierten Programme im Rahmen dieses ganzheitlichen Gesamtkonzepts. Dem DFK ist es wichtig solche Erkenntnisse für weitere auch ggfls. deutschlandweite Implementierungsprozesse für qualitätsgesicherte Präventionsprogramme zu gewinnen. Ein erster Zwischenbericht liegt vor und ist bereits veröffentlicht. Der abschließende Evaluationsbericht ist für Dezember 2012 vereinbart.
 
In der Zwischenzeit hat das Prozessteam auch mehrjährige praktische Erfahrungen bei der Implementierung dieser qualitätsgesicherten Programme . Diese sind sowohl durch die Vielfalt der im Prozessteam vertretenen Professionen eingebracht als auch bei der Begleitung von Einrichtungen gewonnen worden. Sie haben kontinuierlich zur Verbesserung eines praxisgerechten Umsetzungsprozesses beigetragen. Bereits bei  ersten  Schritten des Konzepts zeigte sich, dass die Handlungskompetenz der Lehrer gestärkt wird und das einheitliche Vorgehen zunimmt. (z.B. durch Reflexion im Lehrerteam über die Situation an der Einrichtung). Es hat sich gezeigt, dass aufeinander aufbauende, gut abgestimmte Programme dort leicht zu implementieren sind, wo eine solche Entwicklungsbegleitung als Teil der kommunalen Verantwortung für territoriale Bildungslandschaften verstanden wird. Ohne dem Ergebnis der Evaluation des Umsetzungsprozesses (vgl. Teil Forschung) vorzugreifen, zeigte sich immer wieder, dass LeiterInnen von Kitas und Schulen mindestens für spezielle Problemstellungen auch eine Begleitung von außen benötigen.

Das Konzept hat vom Pilotlandkreis Ostprignitz-Ruppin aus eine weite Verbreitung erfahren: Inzwischen nehmen mehr als 100 Kindertagesstätten und über 100 Schulen aus vielen Landkreisen und Gemeinden am Konzept in einer derzeit noch sehr unterschiedlichen Umsetzungstiefe teil. Seit Herbst 2009 ist das Konzept ein Teil der Initiative Brandenburgs im Rahmen der Safe Regions der WHO.

Ansprechpartner

Herr Michael Breitschwerdt
Präventionsberater beim Landkreis OPR
Fehrbelliner Str. 4c
16816 Neuruppin
Telefon:
03391 354265

Detailansicht anzeigen
Visitenkarte anzeigen