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28.09.2020

Landrat: Endlager wäre eine schwere Belastung für die gesamte Region

Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) hat am Montag insgesamt 90 Teilgebiete in ganz Deutschland als mögliche Standorte für ein Atommüllendlager bekannt gegeben. Auch der Landkreis Ostprignitz-Ruppin ist davon betroffen.

Für die Endlagersuche ist die BGE zuständig. Ausgang der Suche war eine sogenannte „weiße“ Deutschlandkarte, bei der kein Ort im Voraus als potentieller Endlager-Standort ausgeschlossen werden sollte. Grundsätzlich geeignet erscheinen Gebiete mit Tongestein, Steinsalz oder kristallinem Gestein. Jetzt hat die BGE einen ersten Zwischenbericht vorgelegt, in dem 90 Teilgebiete ausgewiesen werden, die insgesamt etwa 54 Prozent der Gesamtfläche Deutschlands bedecken. In einem weiteren Schritt werden aus diesen Teilgebieten nun Standortregionen  ausgesucht, die in der zweiten Phase des Auswahlverfahrens oberirdisch erkundet werden sollen. Als Ergebnis dieser oberirdischen Erkundung sollen konkrete Standorte ausgewählt werden, die anschließend unterirdisch erkundet werden. Auf Basis der unterirdischen Erkundungen werden Vorschläge für ein Atommüllendlager erarbeitet.

Der Landkreis Ostprignitz-Ruppin taucht in dem am Montag vorgelegten Zwischenbericht gleich in mehreren der 90 Teilgebiete als möglicher Standort auf: Im Bereich Tongestein gibt es sehr große Teilgebiete, die sich teilweise von der Nordsee bis nach Berlin erstrecken. Die Wahrscheinlichkeit, inwiefern hier die Wahl auf einen Standort innerhalb des Landkreises fallen könnte, lässt sich derzeit nicht abschätzen. Im Bereich Steinsalz sind die ausgewiesenen Bereiche kleiner. Hier ist der Landkreis gleich vierfach betroffen. So sind einzelne Abschnitte bei Wulkow, Zechlin und Netzeband als eigene Teilgebiete ausgewiesen, ein Teilgebiet bei Friesack (Landkreis Havelland) ragt in den Landkreis Ostprignitz-Ruppin hinein.

Landrat Ralf Reinhardt positioniert sich klar gegen ein Atommüll-Endlager in Ostprignitz-Ruppin. „Der Zwischenbericht stellt noch kein abschließendes Ergebnis dar, auch keine Vorentscheidung. Wir werden uns in jedem Fall kritisch mit dem Bericht auseinandersetzen. Unabhängig davon ist aber bereits jetzt absehbar, dass eine Entscheidung für ein Endlager in unserer Region unabhängig von grundsätzlichen Sicherheitsfragen und Risiken weitreichende Folgen hätte“, sagt Reinhardt. Er gibt zu bedenken, dass die Haupteinnahmequellen des Landkreises der Tourismus, die Landwirtschaft und kleine mittelständische Betriebe des produzierenden und handwerklichen Gewerbes sind. Ein Standort zur Endlagerung von Atommüll hätte somit massive negative Folgen für diese sich seit 1990 gut entwickelnden Wirtschaftszweige.

„Grundsätzlich ist aus meiner Sicht vorrangig dort nach Lösungen zu suchen, wo mit der Erzeugung von Atomstrom über viele Jahre reichlich Geld verdient und von der Wertschöpfung massiv profitiert wurde“, sagt Reinhardt und warnt vor den Folgen, die bereits die Ankündigung eines möglichen Standortes in Ostprignitz-Ruppin nach sich ziehen könnte. „Sollte diese Region tatsächlich in Erwägung gezogen werden, werden die Menschen hier im Landkreis alles tun, um zu verhindern, dass ihnen nach 1990 erneut Existenzgrundlage und Zukunftsperspektive entzogen werden“, sagt Ralf Reinhardt. „Und dass die Region in der Lage ist, sich zu wehren, haben nicht zuletzt auch die langandauernden und am Ende erfolgreichen Proteste gegen die militärische Weiternutzung der Kyritz-Ruppiner-Heide gezeigt.“

Weitere Informationen:

Bundesgesellschaft für Endlagerung

Interaktive Karte mit den Teilgebieten

Zwischenbericht der BGE