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02.09.2021

Eröffnung der Sonderausstellung "Geheimnisse der alten Truhe"

Vielleicht haben Sie sich schon einmal gefragt, wo eigentlich all die Fakten zur Regionalgeschichte herkommen? Wer sorgt dafür, dass wir heute noch manche interessante Episode wissen, ein Foto von genau jenem markanten Moment haben oder auch die Familiengeschichten der Region kennen? Dafür braucht es das Bewusstsein, dass etwas aufbewahrt werden muss. Und dann muss man auch noch zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein, um vielleicht nur schlicht zu verhindern, dass Druck- oder Handschriften, Fotoalben, Dias oder auch Objekte unwiederbringlich entsorgt werden. Es ist eine Aufgabe von Museen, solche Dinge zu bewahren. Fast immer sind diese Sammlungen an Geschichten von Menschen gebunden und hängen meistens mit besonderen Ereignissen und Orten zusammen. Die Sonderausstellung „Geheimnisse der alten Truhe“ zeigt die drei komplexesten Nachlässe zur Regionalgeschichte in der Sammlung der Kreismuseen Alte Bischofsburg in Wittstock/Dosse mit zahlreichen historischen Fotos, Schriftstücken und Bauplänen.

Conrad Polthier / Wilhelm Polthier

Als Conrad Polthier zu sammeln begann, war ihm sicher nicht klar, welche Auswirkungen das haben würde. Sein Nachlass betraf vor allem Schul-, Museums-, Vereins-und Logengeschichte der Region. Aber auch seine eigene Familiengeschichte – er war mit Margarete, einer Tochter des Tuchfabrikanten Friedrich Wilhelm Wegener, verheiratet – nahm schon einen breiten Raum ein. Sein Sohn hatte vielleicht keine Wahl als die Sammlung auszubauen. Und das tat er unbedingt! Als er 1923 den Vertrag mit dem Wittstocker Magistrat für das Erstellen einer Stadtchronik unterschrieb, war das auch der Beginn der „Verschlagwortung der Regionalgeschichte“. Unter zahlreichen Stichwörtern hat er unzählige Notizen zusammengetragen. Dabei konnte er in den 1930er Jahren das 1954 beim Rathausbrand komplett zerstörte städtische Archiv einsehen. Die Prignitz und Ruppin gehören ebenso zu seinem Nachlass, wie Aspekte der mecklenburgischen Geschichte und vieles andere mehr. Ein größerer Teil des Nachlasses gelangte nach seinem Tod 1961 in das Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin. Mit der Hilfe der Nachkommen zeigt die Ausstellung nun einen Extrakt aus den 23 Kartons des übrigen Sammlungsnachlasses, außerdem auch die alte, repräsentative Truhe, in der die Unterlagen über die Jahrzehnte aufbewahrt wurden.

Rudolf Desens / Walter Staudinger

Der Maurermeister Rudolf Desens hatte wahrscheinlich nicht in Erwägung gezogen, dass sein wohl gesamtes „Bauleben“ in Wittstock zwischen 1913 und 1938 von seiner Familie bewahrt wird. Dieses „Bauleben“ umfasst etwa 500 Planungszeichnungen von Häusern, Firmengebäuden, Einfriedungen, nachgerüsteten Schaufenstern, Fahrstühlen, Backöfen in Wittstock und zahlreichen Orten der Umgebung. Als dann durch den Flugplatzbau in Wittstock noch sein Schwiegersohn Walter Staudinger in das Geschäft gelangte, kamen zahlreiche Planungsunterlagen und auch eine gut 140 Aufnahmen umfassende Fotosammlung hinzu. Auch hier ist es den Enkeln zu verdanken, dass das Konvolut ins Museum gelangte.

Hubert Boger

Eigentlich war Hubert Boger, der in wenigen Tagen 100 Jahre werden würde, Schneidermeister, aber das Schreiben ließ ihn nicht los. Er war auch der erste, der den Kreismuseen seine Sammlung zur Regionalgeschichte übergab. Diese besteht u.a. aus mehr als 20 Tagebüchern mit wichtigen Zeitungsartikeln (eine Jahrzehnte umfassende Sammlung von allem, was wichtig und interessant in der Region war), seine Sammlungen über die Dörfer und die Wittstocker Straßen, dem „Lesebogen“, den Themenheften, seinen etwa 3.000 Fotografien und Dias mit Ansichten der gesamten Region, etwa 500 Bilder anderer Fotografen. Unter anderem gehören auch seine Schreibmaschine, sein Fotoapparat und sein Meisterbrief zum Nachlass.

Die Sonderausstellung "Geheimnisse der alten Truhe" berührt viele Themen, Ereignisse und gewährt einen „Gang“ durch Gebäude der Region. Sie wird am Freitag, 3. September 2021, um 18 Uhr in den Kreismuseen Alte Bischofsburg eröffnet. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.

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