Forschungsergebnisse zur besseren Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum
In den Landkreisen Ostprignitz-Ruppin und Prignitz wurde in den vergangenen zwei Jahren das Forschungsprojekt ProReVers durchgeführt, an dem auch die Medizinische Hochschule Brandenburg (MHB) beteiligt war. Untersucht wurde, wie eine qualitativ hochwertige, bedarfsgerechte Gesundheitsversorgung in ländlichen Regionen sichergestellt werden kann.
Ziel von ProReVers (Prospektive regionale sektorenübergreifende Versorgungsplanung) war die Entwicklung praxistauglicher Instrumente und Strukturen, die sich auch auf andere dünn besiedelte Regionen übertragen lassen. Erste Ergebnisse des Projekts wurden in dieser Woche in Berlin auf einem Fachsymposium vorgestellt.
Brandenburgs Gesundheitsministerin Britta Müller unterstrich in ihrer Eröffnungsrede die Bedeutung neuer Lösungsansätze für die künftige medizinische Versorgung im Land Brandenburg: "Große Entfernungen, eine alternde Bevölkerung und der zunehmende Fachkräftemangel sorgen dafür, dass bestehende Angebote analysiert, überdacht und angepasst werden müssen. Ambulante und stationäre Versorgung müssen dabei zwingend immer sektorenübergreifend betrachtet und geplant werden." Das Projekt habe aufgezeigt, dass tragfähige Lösungen nur entstehen können, wenn die Versorgungslage in ihrem regionalen Zusammenhang betrachtet und zukunftsorientiert weiterentwickelt werde, so die Ministerin. Die Zukunft der medizinischen Versorgung auch im ländlichen Raum sei "stambulant", also eine Kombination aus stationärer und ambulanter Versorgung.
Für Landrat Ralf Reinhardt, der ebenso an dem Symposium teilnahm, liefern die Ergebnisse des Projekts einige wichtige Handlungsempfehlungen: "Fußend auf den richtigen Analysen und Bewertungen müssen nunmehr die Ideen und Konzepte in die Umsetzung kommen. Dazu bedarf es jetzt auch mutiger Schritte der Entscheider in unseren Krankenkassen und der Kassenärztlichen Vereinigung. Wir als Landkreis stehen hierzu als Partner bereit."
Catrin Steiniger, Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg, erklärt: "Die Ergebnisse von ProReVers belegen schwarz auf weiß: Die ambulante Versorgung ist das Rückgrat der Medizin im ländlichen Raum. Wir sind bereit, die Ambulantisierung aktiv voranzutreiben, denn jeder vierte Krankenhausfall könnte bereits heute sicher in unseren Praxen behandelt werden. Damit das gelingt, muss die Politik jedoch die Fesseln lösen: Wir brauchen eine verlässliche Finanzierung der ambulanten Versorgung und Nachsorge nach ambulanten Eingriffen. Wer Ambulantisierung will, muss diese auch fördern und auf wirtschaftlich tragfähige Beine stellen. Hier können Empfehlungen durch die regionalen Planungskonferenzen wegweisend für die Verzahnung von stationär und ambulant werden. Bürokratische Hemmnisse und Probleme in der ländlichen Infrastruktur müssen abgebaut werden, damit auch eine patientenorientierte Versorgung erfolgen kann."
Nach ersten Erkenntnissen des Projekts weisen bis zu 20 Prozent der Krankenhausfälle in den beiden Modellregionen theoretisches Ambulantisierungspotenzial auf, zu dessen Umsetzung allerdings erhebliche Hürden, darunter der Mangel an Fachkräften, zu verbessernde Transportmöglichkeiten und die begrenzte Ausstattung in den Praxen, überwunden werden müssten. Lange Wege und Wartezeiten sind laut Patient:innenbefragungen demnach weitere zentrale Probleme. Zur Schließung von Versorgungslücken könnten Kooperationen und digitale Lösungen stärker in den Blick genommen werden.