Informationen zur geplanten neuen Poliklinik in Wittstock/Dosse
Den aktuellen Stand der Abstimmungen zur Finanzierung des Bauvorhabens, zum Betrieb der geplanten Poliklinik sowie zu allen Maßnahmen, die bereits in diesem Jahr umgesetzt werden, stellten Gesundheitsministerin Britta Müller, Wittstocks Bürgermeister Dr. Philipp Wacker, OPR-Landrat Ralf Reinhardt, Catrin Steiniger, Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB), Daniela Teichert, Vorstandsvorsitzende der AOK Nordost, Alexander Lottis, Geschäftsführer des Universitätsklinikums Ruppin-Brandenburg (ukrb), sowie Mike Grebarsche und Christoph Hentschel, Geschäftsführung KMG Klinikum Nordbrandenburg, im Wittstocker Rathaus vor. Ministerin Müller sprach dort auch mit Vertreter:innen der Bürgerinitiative "Wittstock zeigt Gesicht".
Die wichtigsten Punkte:
- Das Land Brandenburg beabsichtigt, der Stadt eine Finanzierungszusage für den Bau der neuen Poliklinik zu geben, vorbehaltlich der Beschlussfassung des Landeshaushalts. Nach den Plänen der Stadt, die auch der Bauherr sein wird, soll im sogenannten "Produktionsgebäude 1905" der ehemaligen Tuchfabrik die neue Poliklinik entstehen. Die Baumaßnahme soll im Jahr 2030 abgeschlossen sein. Dafür stehen voraussichtlich rund zwölf Millionen Euro aus der neuen "Poliklinik-Förderrichtlinie" des Gesundheitsministeriums zur Verfügung sowie weitere rund zwölf Millionen Euro der Städtebauförderung des Ministeriums für Infrastruktur und Landesplanung. Die Stadt Wittstock/Dosse wird einen Eigenanteil von rund drei Millionen Euro beisteuern. Damit stehen insgesamt rund 27 Millionen Euro für den Bau der geplanten Poliklinik bereit.
- Die Stadt hat als Partner die OGD Ostprignitz-Ruppiner Gesundheitsdienste GmbH als Betreiber ausgewählt. Die OGD ist eine Tochter des ukrb und handelt im Auftrag des ukrb und des Landkreises OPR.
- Die Wittstocker Rettungswache bleibt rund um die Uhr besetzt. Ab dem dritten Quartal 2026 soll die Anzahl der Rettungsmittel aufgestockt werden, mit einer möglichen bedarfsorientierten Erweiterung ab 2027, um auch in Zukunft eine schnelle Notfallversorgung sicherzustellen.
- Die neuen Bedarfsplanungszahlen der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB) bieten vielfältige Möglichkeiten zur Niederlassung in Wittstock. Es ist nun entscheidend, dass entsprechende Bewerbungen eingereicht werden, um die offenen Arztsitze zu besetzen und eine Basis für die zukünftige Poliklinik zu schaffen (https://www.kvbb.de/praxiseinstieg/zulas-sung/bedarfsplanung). So sollen in den Jahren 2026 und folgende bereits neue ambulante Strukturen aufgebaut werden, die zusammen mit dem Umzug von bereits bestehenden ambulanten Angeboten ab 2029/2030 in der neuen Poliklinik an einem Standort konzentriert werden sollen.
- Ab dem 1. April 2026 wird die KMG-Klinikgruppe eine kardiologische Zweigpraxis in Wittstock einrichten. Dies gewährleistet eine kontinuierliche Betreuung von Herzpatient:innen.
- Die chirurgische Praxis am bisherigen Krankenhausstandort wird weiterhin die Fachbereiche Orthopädie und Chirurgie sowie den sogenannten Durchgangsarzt (D-Arzt) abdecken, um eine umfassende Versorgung der Bevölkerung vor Ort zu gewährleisten.
Hintergrund der Veränderungen ist die Schließung des KMG-Krankenhausstandorts Wittstock zum 1. Januar 2027, bedingt durch gesetzliche Vorgaben im Rahmen der Krankenhausreform. Die beiden Fachabteilungen der Inneren Medizin – Kardiologie und Gastroenterologie – sollen ab Ende 2026 am Standort Pritzwalk des KMG Klinikums Nord-brandenburg weitergeführt werden.
Gesundheitsministerin Britta Müller: "Wir halten Wort: Die Menschen in Wittstock werden weiterhin umfassend und sicher versorgt – besonders in Notfällen. Alle zugesagten Maßnahmen bis zum 1. Januar 2027 werden umgesetzt. Die geplante Poliklinik wird ein zukunftsweisendes Leuchtturmprojekt, das weit über Wittstock/Dosse hinaus Strahlkraft entwickeln wird. Wir setzen auf eine enge Zusammenarbeit mit allen Partnern und schaffen mit intensiver Planung die Grundlage für eine langfristig stabile und moderne Gesundheitsversorgung. Das Universitätsklinikum Ruppin-Brandenburg wird die Poliklinik betreiben, und das Land unterstützt die notwendigen Baumaßnahmen mit einer Förderung von insgesamt 24 Millionen Euro. Diese Maßnahme ist ein entscheidender Schritt zu einer zukunftsfähigen und bedarfsgerechten Gesundheitsversorgung, die als Zukunftsmodell für ländliche Regionen dienen kann. Ich habe heute auch persönlich mit Vertreterinnen und Vertretern der Initiative ‚Wittstock zeigt Gesicht‘ gesprochen. Denn die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger an solch einem großen Transformationsprozess ist sehr wichtig. Wir verfolgen das gleiche Ziel: eine gute Gesundheitsversorgung für die Region. Die Krankenhausreform zwingt uns dazu, medizin-ische Versorgung neu zu denken. Die entscheidende Frage lautet nicht, wie jeder Krankenhausstandort unverändert erhalten werden kann, sondern wie Versorgung für die Menschen insgesamt verlässlich gesichert wird. Die Antwort liegt in starken Gesundheitsregionen. Es geht darum, Versorgung regional, kooperativ und sektorenübergreifend zu organisieren. Nicht jede Klinik kann alles – aber jede Region muss gut versorgt sein. Ambulante und stationäre Ange-bote müssen enger zusammenwirken. Ich bezeichne diesen Ansatz als ‚stambulant‘ – als Beschreibung einer notwendigen Realität. Und das passiert auch hier in Wittstock."
Infrastrukturminister Detlef Tabbert: "Die ehemalige Tuchfabrik am östlichen Altstadteingang mit ihrem stadtbild-prägenden Denkmalbestand steht seit vielen Jahren leer und wartet darauf, saniert und durch neue Nutzungen wieder ein wichtiger Anlaufpunkt zu werden. Mit der Städtebauförderung schaffen wir die Grundlage dafür, dass aus einer ehemaligen Industriebrache ein moderner Gesundheitsstandort mitten in der Stadt wird. So unterstützen wir die Stadt dabei, eine kluge städtebauliche Entwicklung mit einer starken sozialen Infrastruktur zu verbinden und die Lebensqualität der Menschen in Wittstock und der gesamten Region dauerhaft zu stärken. Derzeit bearbeitet die Bewilligungsstelle den Förderantrag, damit die Stadt ab dem Programmjahr 2026 Mittel aus dem Bund-Länder-Programmes Lebendige Zentren für dieses mit höchster Priorität eingestufte Projekt erhalten kann."
Landrat Ralf Reinhardt: "Ich begrüße die positive Entwicklung für den Gesundheitsstandort Wittstock/ Dosse und sehe nun eine klare Perspektive für die medizinische Versorgung der Einwohnerinnen und Einwohner. Der Landkreis als Träger des Rettungsdienstes wird den Prozess tatkräftig unterstützen und den Rettungsdienst Wittstock künftig dem leistungsstarken Universitätsklinikum Ruppin-Brandenburg (ukrb) in Neuruppin zuordnen. Damit ist auch die Notarztversorgung ab 2027 uneingeschränkt sicher gestellt.“
Bürgermeister Dr. Philipp Wacker: "Bis hierhin war es ein langer und kräftezehrender Weg für alle Beteiligten. Natürlich freue ich mich über die Zusagen der beiden Ministerien hinsichtlich der Finanzierung und der weiteren, nötigen Unterstützung bei der Umsetzung des Projektes. Für uns in Wittstock/Dosse stand seit der Ankündigung der Schließung unseres Krankenhauses fest, dass eine gleichwertige Lösung für die Gesundheitsvorsorge der Bürger unserer Stadt, unserer Ortsteile und der umliegenden Region gefunden werden muss. Dieser Lösung sind wir mit dem heutigen Tag einen entscheidenden Schritt nähergekommen. Jetzt muss es weitergehen, wir dürfen nicht noch mehr Zeit verlieren. Ich bin sicher, dass wir mit dem Land Brandenburg, dem Landkreis OPR und dem UKRB genau die Partner haben, um gemeinsam dieses Leuchtturm-Projekt erfolgreich umzusetzen. Ganz herzlichen Dank auch an die engagierten Bürger dieser Stadt und an meine Mitarbeiter, die diesen Weg begleitet haben."
KVBB-Vorsitzende Catrin Steiniger: "Unser gemeinsames Ziel ist eine stabile und zukunftssichere Versorgung für die Menschen in Wittstock. Die geplante Poliklinik bietet dafür langfristig eine gute Perspektive. Die aktuellen Bedarf-splanungszahlen der KVBB eröffnen aktuell vielfältige Zulassungsmöglichkeiten für die Region. Kolleginnen und Kolle-gen der Fachrichtung Augenheilkunde, Gynäkologie, HNO-Heilkunde, Urologie und Psychiatrie/Neurologie können Zulassungsanträge stellen. Davon können die Menschen der Region auch schon kurzfristig profitieren. Um den Praxisstandort Wittstock für junge Medizinerinnen und Mediziner noch attraktiver zu machen, unterstützen wir Niederlassungen von Hausärzten sowie von Dermatologen und HNO-Ärzten mit einer gezielten Förderung von bis zu 55.000 Euro. Dabei ist die Bedarfsplanung ein flexibles Gebilde: Wir beobachten die Versorgungssituation kontinuierlich, sodass in den kommenden Jahren sicher weitere Zulassungsmöglichkeiten entstehen werden. Ich lade die Kolleginnen und Kollegen herzlich ein, diese Chance zu nutzen und die medizinische Zukunft der Region aktiv mitzugestalten."
Daniela Teichert, Vorstandsvorsitzende der AOK Nordost: "Als größte regionale Krankenkasse begrüßen wir, dass in Wittstock/Dosse der Erhalt der wohnortnahen Grundversorgung sichergestellt werden soll. Die Krankenhausreform nimmt uns alle in die Verantwortung, Strukturen nachhaltig zu verändern. Voraussetzung dafür ist eine langfristig gesicherte Finanzierung. Das neue ambulante Angebot muss dabei im weiteren Planungsprozess so mit Leben gefüllt werden, dass es auch gut zu den Bedarfen der Versicherten vor Ort passt. Eine Überversorgung ist nicht im Interesse der Beitragszahlenden. Gerne begleiten wir gemeinsam mit Partnern den weiteren Planungsprozess. Dafür verfügen wir über viel Erfahrung aus ähnlich gelagerten Projekten in Seelow und in Templin."
Alexander Lottis, Geschäftsführer des ukrb: "Als erfahrener Träger mehrerer Medizinischer Versorgungszentren in der Region sind wir über unsere Tochtergesellschaft OGD der verlässliche Partner für den Betrieb der neuen Poliklinik in Wittstock. Wir sind bereit, dieses Vorhaben gemeinsam mit dem Land Brandenburg, dem Landkreis OPR und der Stadt Wittstock/Dosse zu gestalten und langfristig zu tragen. Entscheidend ist dabei, dass neben der Förderung durch das Ministerium alle weiteren erforderlichen Rahmenbedingungen für einen nachhaltigen und wirtschaftlich tragfähigen Betrieb geschaffen werden."
Stefan Eschmann, Vorstandsvorsitzender der KMG Kliniken: "Wir stehen zu unserem Engagement in Wittstock/Dosse. Mit der kardiologischen Zweigpraxis ab April 2026 sichern wir die kontinuierliche Versorgung von Herzpatientinnen und Herzpatienten vor Ort und schaffen ein verlässliches ambulantes Angebot. Darüber hinaus beabsichtigen wir eine eigene Dienstsäule für die Bereitstellung von Notärztinnen und Notärzten in Wittstock/Dosse aufzubauen und gehen davon aus, dass unsere Partner nun zeitnah eine entsprechende Vereinbarung zur Teilnahme am Rettungsdienst mit uns abschließen werden."
Weitere Informationen in der Pressemitteilung des Ministeriums für Gesundheit und Soziales des Landes Brandenburg