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Was sich genau am 22. April 1945 über dem Wusterhausener Dorf Trieplatz ereignete, das wird wohl für immer unklar bleiben. Nach Berichten eines Zeitzeugen und aufgrund der Spurenlage vor Ort dürften zwei Flugzeuge abgestürzt sein. Die Opfer wurden auf dem Dorffriedhof begraben. Im Herbst 2024 fand eine Exhumierung statt, um die Identität der Toten zu klären.

Auf dem kleinen Friedhof von Trieplatz erinnert eine schlichte Steintafel an die Ereignisse von damals. Darauf steht: "Zum Gedenken an die unbekannten Toten des Flugzeugabsturzes im April 1945". Doch was geschah damals wirklich? Wie viele Menschen kamen ums Leben und wer waren die Opfer? Was führte zu dem Absturz?

Fragen, die auch Willi Pelzer viele Jahrzehnte lang umtrieb. Der Zeitzeuge war zehn Jahre alt, als es zu den Ereignissen von Trieplatz kam. In einem MAZ-Artikel aus dem Jahr 2021 berichtete der damals 85-Jährige, dass gegen Kriegsende 1945 wohl fast zeitgleich zwei Flugzeuge, möglicherweise ein größeres mit Passagieren und ein Jagdflugzeug, in der Nähe des Dorfes Trieplatz zu Boden gingen. Die Absturzopfer wurden – so ist es dem aufgezeichneten Gedächtnisprotokoll von Willi Pelzer zu entnehmen – in einem Sammelgrab auf dem kleinen Dorffriedhof unweit der Absturzstellen verscharrt. Bei den Toten, so wird gemutmaßt, könnte es sich um fahnenflüchtige Soldaten gehandelt haben. Eine Annahme, die bis heute nicht bestätigt werden konnte.

Willi Pelzer jedenfalls hatte Zeit seines Lebens einen großen Wunsch: Die Opfer dieses mysteriösen Absturzes sollten ihre Namen wieder bekommen und nicht als "Unbekannte" auf dem Friedhof liegen. So wandte er sich an Landrat Ralf Reinhardt, der auch Kreisvorsitzender des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. ist, und bat diesen um Unterstützung. Es folgte ein intensiver Austausch der Kreisverwaltung mit den zuständigen Ministerien und Behörden, um eine Exhumierung zu ermöglichen.

Im Oktober 2024 war es dann soweit. Um die Totenruhe auf dem Friedhof zu wahren, aus Respekt vor den Angehörigen, aber auch um die Grabungsarbeiten nicht zu stören, wurde die Öffentlichkeit über die Freilegung der Grabstätte damals nicht informiert. Alle Funde wurden von Fachleuten untersucht, die damit verbundenen Recherchen des Bundesarchivs zogen sich hin. Inzwischen, rund anderthalb Jahre nach der Exhumierung, liegen Ergebnisse der Untersuchungen vor.

Bei der durchgeführten Exhumierung wurden die sterblichen Überreste von 15 Menschen entdeckt. Unter den Toten waren auch mindestens zwei Frauen. Ein Absturzopfer konnte mittels einer gefundenen Erkennungsmarke identifiziert werden. Die Familienangehörigen des Soldaten wurden darüber informiert, der Name des Toten soll aber nicht veröffentlicht werden. Zwei weitere Erkennungsmarken werden noch ausgewertet, allerdings wird hier nicht mit zeitnahen Ergebnissen gerechnet. In vergleichbaren Fällen hat es bis zu zehn Jahre gedauert, bis die Identität eines Toten abschließend geklärt werden konnte.

"Was nun die Ursachen für das Absturzgeschehen vor 81 Jahren waren, welche Zusammenhänge es gab und wohin die Passagiere des Flugzeugs tatsächlich wollten, das wird schwer zu klären sein. Uns geht es aber darum, die Toten nicht zu vergessen", erklärt Landrat Ralf Reinhardt bei einem Besuch des Friedhofs von Trieplatz.

Viele Fragen bleiben offen, auf die sicherlich auch Willi Pelzer, der die Spurensuche mit seiner Hartnäckigkeit in Gang gesetzt hatte, gerne Antworten gefunden hätte. Er selbst konnte zumindest noch die Grabungsarbeiten in Trieplatz im Herbst 2024 verfolgen, bevor er im Januar dieses Jahres starb.

Weitere Informationen über den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.

Franziska Seeger, Ordnungsamtsleiterin der Gemeinde Wusterhausen/Dosse, und Landrat Ralf Reinhardt, der auch Kreisvorsitzender des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. ist, besuchen 81 Jahre nach dem Flugzeugabsturz die Grabstätte auf dem Dorffriedhof in Trieplatz. © LK OPR
Franziska Seeger, Ordnungsamtsleiterin der Gemeinde Wusterhausen/Dosse, und Landrat Ralf Reinhardt, der auch Kreisvorsitzender des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. ist, besuchen 81 Jahre nach dem Flugzeugabsturz die Grabstätte auf dem Dorffriedhof in Trieplatz. © LK OPR

21.04.2026 
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