Sprungziele
Seiteninhalt
22.05.2026

Initiative für einen stündlichen Halt des RE 6 in Fretzdorf

Seit dem 1. Mai 2026 ist der stündliche Bedarfshalt der Bahnlinie RE 6 in Fretzdorf entfallen, der Zug hält nur noch alle zwei Stunden in dem Wittstocker Ortsteil. Im Ort selbst hat sich deshalb eine Initiative von Bürger:innen gegründet, die sich für die Wiedereinführung des stündlichen Halts einsetzt. Unterstützung kommt von der Stadt und vom Landkreis.

Um der Forderung der Fretzdorfer Initiative Nachdruck zu verleihen, ist ein gemeinsames Schreiben verfasst worden, das an die Deutsche Bahn, den Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) sowie an das Landes- und Bundesverkehrsministerium gerichtet ist. Bei einem Vor-Ort-Termin am Haltepunkt des RE 6 in Fretzdorf wurde das Schreiben nun von Mitgliedern der Intitiative, von Wittstocks Bürgermeister Dr. Philipp Wacker, Ortsvorsteher Raimond Kopp, dem Vorsitzenden der KAG OPR, Thomas Kresse, sowie Landrat Ralf Reinhardt unterzeichnet. Der Landrat kündigte an, das Anliegen auch bei seinem anstehenden Gespräch mit Landesverkehrsminister Robert Crumbach erörtern zu wollen. 

Nachfolgend der Auszug aus dem Schreiben mit Forderung eines stündlichen Halts des RE 6 in Fretzdorf:

"Zum 1. Mai 2026 wurde der stündliche Bedarfshalt auf der Strecke des RE6 in Fretzdorf abgeschafft. Dieser war aufgrund von Bauarbeiten vorübergehend eingeführt worden und hat sich seitdem als verlässliches und flexibles Bahnangebot für den ländlichen Raum erwiesen. Durch den stündlichen Bedarfshalt konnte in den vergangenen Monaten eine vermehrte Anzahl von Nutzern dieses Bahn-Angebotes verzeichnet werden.

Die nun erfolgte Änderung des Fahrplanes bringt eine hohe Einschränkung der Mobilität für den ländlichen Raum mit sich. Für viele Familien aus Fretzdorf und den umliegenden Orten – insbesondere für Berufspendlerinnen und Berufspendler sowie Schülerinnen und Schüler – ist eine zweistündliche Bedienung keine tragfähige Alternative, da sich Arbeitszeiten, Schulbeginn und Freizeitaktivitäten nicht zuverlässig organisieren lassen.

Besonders kritisch beobachten wir die Anfälligkeit des Systems: Bereits kleinere Verspätungen oder Zugausfälle führen bei einem Zweistundentakt zu Wartezeiten von bis zu zwei Stunden. Dies ist besonders für Nutzer wie Kinder, Jugendliche oder Senioren nicht zumutbar und stellt einen erheblichen Nachteil dar.

Vor dem Hintergrund der angestrebten Verkehrswende erscheint diese Entwicklung widersprüchlich. Ziel muss es sein, den öffentlichen Nahverkehr gerade im ländlichen Raum attraktiver und verlässlicher zu gestalten und nicht, ihn faktisch unattraktiver zu machen. Eine Verschlechterung des Angebots führt zwangsläufig dazu, dass mehr Menschen wieder auf den Individualverkehr angewiesen sind.

Die aktuelle Planung empfinden wir als Benachteiligung der Bevölkerung im ländlichen Raum – hier droht eine wesentliche Einschränkung bestehender Angebote. Die Bürgerinnen und Bürger in Dörfern und Ortsteilen haben das Recht auf eine angemessene Anbindung an den öffentlichen Verkehr, zumal die infrastrukturellen Bedingungen dafür vorhanden und, wie im Fall Fretzdorf, bereits in dieser Taktung genutzt worden sind.

Der praktische Betrieb der letzten Zeit hat gezeigt, dass ein stündlicher Bedarfshalt grundsätzlich möglich ist. Während der Landesgartenschau 2019 in Wittstock/Dosse war ein stündlicher Bedarfshalt in Fretzdorf ebenfalls vorhanden.

Daher bitten wir Sie nachdrücklich, die aktuellen Planungen erneut zu prüfen und Lösungen zu erarbeiten, die einen dauerhaften stündlichen Halt in Fretzdorf ermöglichen. Insbesondere muss berücksichtigt werden, ob betriebliche Anpassungen wie alternative Begegnungspunkte oder optimierte Fahrzeiten realisierbar sind, ohne die Anschlusssicherheit in Wittenberge und weiteren Haltepunkten zu gefährden.

Wir fordern Sie daher auf, im Sinne der Verkehrswende, zur Einsparung von CO2 und dadurch nachhaltiger Umweltfreundlichkeit, der Bildungsgerechtigkeit und der Lebensqualität im ländlichen Raum eine tragfähige Lösung zu finden, die auf das Nutzerverhalten abgestimmt ist.

Parallel hat der Ortsbeirat Fretzdorf eine Petition gestartet, die eine Wiederaufnahme des stündlichen Bedarfshalts für den Haltepunkt Fretzdorf fordert, diesen als zukunftsweisend und als dauerhaftes Verkehrsangebot für den ländlichen Raum zu etablieren.

Neben den Bewohnern von Fretzdorf und dem dort agierenden Ortsbeirat wird dieses Ansinnen auch vom Bürgermeister der Stadt Wittstock/Dosse, mehreren Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung, der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft und dem Landkreis Ostprignitz-Ruppin befürwortet und unterstützt."

Auch Landrat Ralf Reinhardt unterstützt die Initiative der Bürger:innen für einen stündlichen Bedarfshalt des RE 6 in Fretzdorf. © LK OPR
Auch Landrat Ralf Reinhardt unterstützt die Initiative der Bürger:innen für einen stündlichen Bedarfshalt des RE 6 in Fretzdorf. © LK OPR

Seite zurück Nach oben