Neues Beweidungsprojekt der Heinz Sielmann Stiftung gestartet
Eine Beweidung mit großen Pflanzenfressern ist für eine der größten zusammenhängenden Heideflächen Europas ein Novum und zugleich eine Attraktion. Erstmals haben Konik-Pferde neue Weideflächen in Sielmanns Naturlandschaft Kyritz-Ruppiner Heide bezogen, zunächst auf einer etwa 9 Hektar großen Fläche in der Nähe des Heideturms. Die robusten Tiere übernehmen künftig von Juli bis Oktober eine wichtige Aufgabe in der Landschaftspflege: Sie halten die Heide offen und schaffen Lebensraum für seltene Arten.
Im Beisein unter anderem von Landrat Ralf Reinhardt, Thomas Kresse (Amtsdirektor des Amtes Temnitz), Nico Ruhle (Bürgermeister der Fontanestadt Neuruppin), Dr. Philipp Wacker (Bürgermeister von Wittstock/Dosse) sowie Forstdirektor Rainer Entrup (Bundesforstbetrieb Westbrandenburg) und Dr. Sven Rannow (Leiter des Naturparks Stechlin-Ruppiner Land) startete die Heinz Sielmann Stiftung im Rahmen einer kleinen Feier am Heideturm das vorerst auf fünf Jahre angelegte Beweidungsprojekt. Der Auftakt für dieses Projekts fällt in das von den Vereinten Nationen ausgerufene Internationale Jahr der Weidelandschaften und des Hirtentums.
Bis zu zehn Konik-Pferde kommen auf den Heideflächen am Heideturm, dem Wahrzeichen der Kyritz-Ruppiner Heide, sowie entlang des Heide-Erlebniswegs als tierische Landschaftspfleger zum Einsatz – insgesamt sind das immerhin rund 180 Hektar. Die großen Vorteile: Durch Verbiss, Tritt und Wälzen brechen die Konik-Pferde die dichte Moosschicht auf, legen offenen Sandboden frei und lassen ein Mosaik aus Heide, Rohboden und lockerem Bewuchs entstehen. So verhindern sie, dass die Heide zuwächst, und schaffen Nischen für Insekten, Reptilien und Bodenbrüter. Zahlreiche seltene und gefährdete Bewohner der Heide – darunter der Ziegenmelker mit mehr als 500 Brutpaaren sowie Heidelerche und Wiedehopf – profitieren von den offenen, strukturreichen Flächen.
"Mit der naturnahen Beweidung nach dem Konzept der Wilden Weiden beginnen wir ein weiteres ambitioniertes Projekt, das dazu beitragen soll, die Kyritz-Ruppiner Heide als wertvolles Naturschutz- und Erholungsgebiet langfristig zu erhalten. Die Konik-Pferde erfüllen nicht bloß eine ökologisch wichtige Funktion, sie bereichern auch das Naturerlebnis der Besucherinnen und Besucher", erklärte Jochen Paleit, Vorstandsvorsitzender der Heinz Sielmann Stiftung.
Landrat Ralf Reinhardt: "Mit den Konik-Pferden kommt noch mehr Leben in unsere Heide. Sie machen auch den Naturschutz, den wir hier gemeinsam verfolgen, noch besser erlebbar. Ich hoffe, dass sich die Tiere gut einleben werden. Vielen Dank an die Heinz Sielmann Stiftung und alle beteiligten Partner aus unserer Region für ihr Engagement". Damit werde die Heide um eine Sehenswürdigkeit reicher und an Popularität gewinnen, so der Landrat. Erst zu Beginn dieses Jahres war das frühere Militärgelände, das inzwischen auch zum Naturpark Stechlin-Ruppiner Land gehört, offiziell als internationaler Sternenpark anerkannt worden. Aufgrund der besonderen Dunkelheit eignet sich dieser Ort idealerweise für naturliebende Sternengucker:innen.
Ohne eine regelmäßige Pflege würde die Heide allmählich zu Wald werden. Bislang halten Mahd und kontrolliertes Brennen die Flächen offen. Zunehmend aber überzieht eine dichte Moosschicht den offenen Sandboden, den viele Insekten zum Leben und die Besenheide (Calluna vulgaris) zur Verjüngung brauchen. Hier setzt die Beweidung an: Sie ergänzt die bisherige Pflege und bringt natürliche Dynamik in die Landschaft zurück.
Die kleine Herde wird nun nacheinander abgegrenzte Teilflächen abgrasen. Im Gegensatz zu Schafen lassen die Pferde die Heidekrautblüten in Ruhe, fokussieren sich beim Fressen stattdessen auf Gräser, Sträucher und junge Bäumchen, was Betreut werden sie dabei vom Beweidungsbetrieb Wilde Heide GbR, der bereits in der Lübtheener Heide gemeinsam mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) Koniks auf ehemaligen Truppenübungsflächen einsetzt. Weil die trockene Kyritz-Ruppiner Heide besondere Anforderungen an Tiere und Halter:innen stellt, begleiten die Stiftung und ihre Partner:innen das erste Jahr eng. Untersützung kommt unter auch vom Amt Temnitz, das die Wasserversorgung der Pferde organisiert, sowie vom Bundesforstbetrieb Westbrandenburg der BImA als Flächeneigentümerin, dem Landkreis Ostprignitz-Ruppin und dem Naturpark Stechlin-Ruppiner Land.
Und wer den Koniks mal begegnen möchte, folgt am besten dem Heide-Erlebnisweg. Besonders lohnend ist in diesem Zusammenhang übrigens der Spätsommer, wenn ab August die Besenheide die Landschaft violett färbt. In diesem Zusammenhang ein wichtiger Hinweis für alle Besucher:innen: Um das Wohl der Pferde nicht zu gefährden, dürfen die Tiere nicht angelockt und gefüttert werden! Weitere Hinweise und Informationen gibt es für Besucher:innen auf Tafeln, die vor Ort an den Weideflächen der neuen Gäste aufgestellt werden.