Hinweise des Gesundheitsamtes OPR zu Risiken durch Prozessionsspinner
In Teilen von Brandenburg wird aktuell ein vermehrtes Auftreten von Kiefernprozessionsspinnern beobachtet. In unserem Landkreis hat es zuletzt entsprechende Meldungen aus dem Bereich Krangen / Zippelsförde (Stadt Neuruppin) gegeben. Nachfolgend informiert das Gesundheitsamt OPR über die möglichen gesundheitlichen Risiken und das richtige Verhalten.
Der Kiefernprozessionsspinner gehört wie der etwas bekanntere Eichenprozessionsspinner zu den heimischen Nachtfaltern. Er befällt Kiefern, vorzugsweise an warmen Standorten (Einzelbäume, Waldrand, Südseite der Bäume). Der Name erklärt sich dadurch, dass die Raupen des Falters gemeinsam in langen Prozessionen auf Futtersuche gehen. Die Raupen sind langbehaart. Diese Brennhaare der Prozessionsspinner können beim Menschen Krankheitssymptome von Hautausschlägen bis hin zu schweren allergischen Reaktionen und Schock verursachen.
Die Raupen leben in großer Anzahl in Nestern, die zu Beginn als weiße, sackartige, bis zu ein Meter große Gespinste, die an der Rinde kleben, zu erkennen sind. Später verfärben sich die Nester bräunlich. Auch nach der Verpuppung enthalten leere Nester noch zahlreiche Überreste der Raupenhüllen einschließlich der Brennhaare. Das Gift der Brennhaare verliert nur sehr langsam seine Wirksamkeit. Das bedeutet, dass auch nach mehreren Jahren die fast unsichtbaren Haare, die leicht in die menschliche Haut eindringen, noch Reaktionen auslösen können.
Der Hauptgefährdungszeitraum erstreckt sich für den Eichenprozessionsspinner von Mai bis Juli, für den Kiefernprozessionsspinner von Juli bis August. Durch Wettereinflüsse können die Brennhaare in der Umgebung der Nester verteilt werden. Auch beim Überfahren der Raupen, etwa mit dem Fahrrad, können Haare der Raupen aufgewirbelt werden und an Gegenständen haften bleiben.
Sichtungen von Kiefern- oder Eichenprozessionsspinnern sollten an die zuständigen Ordnungs- oder Grünflächenämter weitergeleitet werden, zum Beispiel online über das Maerker-Portal.
Mögliche Gefahren für Mensch und Tier
Besonders gefährdet sind Menschen mit allergischem Asthma oder anderen Allergieerkrankungen, ebenso Patient:innen mit Erkrankungen von Lunge und Atemwegen sowie allgemein chronischen Erkrankungen. Auch für Haustiere, insbesondere für Hunde, besteht eine Gefährdung, da sich die Brennhaare am Boden verteilen und durch das Schnüffeln große Mengen in die oberen Atemwege der Tiere aufgenommen werden können.
Innerhalb von 24 Stunden, oft aber schon deutlich schneller, kann der Kontakt mit den Brennhaaren zu Symptomen führen. Häufig kommt es zur "Raupendermatitis" mit stark juckendem Ausschlag, roten Pusteln, Quaddeln und schmerzhaften Hautrötungen. Auch Bindehautentzündungen mit Rötung, Schwellung und Lichtempfindlichkeit der Augen sind möglich.
Betroffen sein können auch die Atemwege mit Husten, Halsschmerzen und unterschiedlich stark ausgeprägten Atemwegsbeschwerden bis hin zu akuten Asthmaanfällen. Die Symptome können bis zu zwei Wochen anhalten.
Der Umfang der Krankheitserscheinungen hängt in erster Linie davon ab, wie intensiv und an welchen Körperteilen der Kontakt mit den Brennhaaren stattgefunden hat. Stärker und schneller können Personen betroffen sein, die bereits in der Vergangenheit Kontakt mit einem Eichen- oder Kiefernprozessionsspinner hatten und/ oder eine eingeschränkte Immunabwehr aufweisen.
Verhalten bei Krankheitsanzeichen
Bei schweren Symptomen, wie etwa Atemnot, Schwellungen der Schleimhäute (Lippen/Zunge/Rachenraum) und starken Allgemeinsymptomen wie Schwindel, Übelkeit, Benommenheit oder anders gearteter schwerer Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens, ist unverzüglich der Rettungsdienst unter der Telefonnummer 112 zu verständigen.
Bei Entzündungen im Bereich der Augen sollte das betroffene Auge sofort und gründlich mit reichlich klarem Wasser ausgespült und danach umgehend ein Augenarzt oder die Notaufnahme eines Krankenhauses mit augenärztlicher Versorgung aufgesucht werden, um die Brennhaare entfernen zu lassen. Keinesfalls die Augen reiben, denn dadurch gelangen die Haare noch tiefer ins Gewebe. Sollte eine unverzügliche augenärztliche Versorgung nicht möglich sein, ist der Rettungsdienst unter der Telefonnummer 112 zu kontaktieren.
Symptome der "Raupendermatitis" können durch folgende Sofortmaßnahmen gelindert werden:
• Betroffene Hautstellen gründlich mit viel Wasser abspülen: Duschen, Haare waschen, trocken föhnen
• Brennhaare entfernen: Klebeband vorsichtig auf die betroffenen Hautstellen aufbringen und abziehen
• Kleidung außerhalb der Wohnung wechseln und kontaminierte Kleidung bei mindestens 60 Grad Celsius waschen
• Reiben und Kratzen unbedingt vermeiden, weil dadurch die Brennhaare noch tiefer in das Gewebe gedrückt werden können
• Lokale Behandlung mit kühlenden Umschlägen
Sollten größere Hautareale betroffen sein (Faustregel: mehr als die Hälfte eines Armes/eines Beines, Brust oder Rücken) oder sich Beschwerden durch die eingeleiteten Maßnahmen nicht ausreichend lindern lassen, wird eine Vorstellung beim Haut- bzw. Hausarzt oder beim Allgemeinmediziner empfohlen.
Weitere Informationen hat das Gesundheitsamt OPR in einem Merkblatt zusammengefasst.