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07.10.2026

Kyritz: Fachtag "Begleiteter Umgang im Kontext von häuslicher Gewalt"

Im Kyritzer Kulturhaus ist heute ein Fachtag zum begleiteten Umgang im Kontext häuslicher Gewalt eröffnet worden. Im Mittelpunkt stehen unter anderem aktuelle Erkenntnisse, Erfahrungen aus der Praxis sowie die gemeinsame Frage, wie der Schutz und das Wohl der Kinder sowie der von Gewalt betroffenen Elternteile bestmöglich berücksichtigt werden können. 

Landrat Ralf Reinhardt durfte die Teilnehmenden zu Beginn des Fachtages in Kyritz begrüßen: "Ich freue mich sehr, dass heute so viele unterschiedliche Professionen zusammenkommen. Denn gerade beim Thema häusliche Gewalt sind die Herausforderungen komplex und verlangen eine enge, verlässliche Zusammenarbeit."

Der Landrat wies in seiner Rede zugleich mit deutlichen Worten auf die aktuelle Krise der kommunalen Haushalte und die damit zusammenhängende dramatische Lage mit entsprechenden Folgen hin. "Die Krise geht mittlerweile an die Substanz. Wir werden kaum mehr in der Lage sein, die gesetzlichen Pflichtleistungen aus eigenen Einnahmen zu decken. Uns wird von Bund und Land sehenden Auges die wirtschaftliche Basis entzogen. Das Konnexitätsprinzip – wer bestellt, bezahlt – wird systematisch gebrochen", erklärte Ralf Reinhardt und ergänzte: "Weil wir die Pflichtleistungen decken müssen, sind wir rechtlich gezwungen, auch die freiwillige Prävention im Landkreis zu hinterfragen. Wenn wir heute aber Beratung und Prävention einsparen, stehen morgen noch mehr verzweifelte Familien vor unseren Türen, die dann die noch teureren Pflichtleistungen der Krisenintervention benötigen. Es ist ein Teufelskreis, den wir als Landkreis allein nicht mehr durchbrechen können."  

Deshalb sei es so wichtig, sich auf den Kern zu besinnen: "Kinder stehen dabei im Mittelpunkt unserer gemeinsamen Verantwortung. Sie können Gewalt unmittelbar oder mittelbar erleben und sind häufig besonders schutzbedürftig. Auch nach einer Trennung stellt sich deshalb immer wieder die anspruchsvolle Frage, wie der Kontakt zwischen Kind und Eltern ermöglicht und zugleich der notwendige Schutz des Kindes gewährleistet werden kann", betonte der Landrat. Der begleitete Umgang bewege sich dabei in einem besonderen Spannungsfeld zwischen dem Recht auf familiäre Beziehungen und dem Schutz des Kindes. Umso wichtiger seien eine sorgfältige Einzelfallbetrachtung, fachliche Kompetenz und ein gutes Zusammenwirken aller Beteiligten. Ostprignitz-Ruppin könne dabei auf gewachsene Kooperationsstrukturen zurückgreifen, für die er sehr dankbar sei. Der Arbeitskreis "Schutz bei häuslicher Gewalt" und der fachliche Austausch zwischen Jugendhilfe, Familiengerichten, Beratungsstellen und weiteren Partnern seien wichtige Grundlagen der gemeinsamen Arbeit. 

Fachvorträge sollen in Kyritz Einblicke in die rechtlichen Rahmenbedingungen, die Arbeit der Frauenunterstützung, Täterarbeit im Kontext häuslicher Gewalt sowie den Kinderschutz aus Sicht des Fachamtes geben. In anschließenden Workshops sollen die Themen vertieft und der interdisziplinäre Austausch gefördert werden. Die Vernetzung der beteiligten Akteur:innen soll darüber hinaus ein wesentliches Ziel dieses Fachtages darstellen.

Eingeladen haben das Amt für Familien und Jugend und der Arbeitskreis "Schutz bei häuslicher Gewalt" des Landkreises OPR. Der Fachtag richtet sich inbesondere an Richter:innen, Rechtsanwält:innen (insbesondere im Familienrecht), Verfahrensbeistände, Mitarbeitende des Allgemeinen Sozialen Dienstes, Fachkräfte und Träger des begleiteten Umgangs sowie weitere am Hilfe- und Entscheidungsprozess beteiligte Fachkräfte.

Landrat Ralf Reinhardt eröffnet den Fachtag zum begleiteten Umgang im Kontext häuslicher Gewalt im Kyritzer Kulturhaus. Dabei ging er in seiner Begrüßungsrede auch auf die dramatische kommunale Haushaltssituation und drohende Konsequenzen ein. © LK OPR
Landrat Ralf Reinhardt eröffnet den Fachtag zum begleiteten Umgang im Kontext häuslicher Gewalt im Kyritzer Kulturhaus. Dabei ging er in seiner Begrüßungsrede auch auf die dramatische kommunale Haushaltssituation und drohende Konsequenzen ein. © LK OPR

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