Gedenken an die Novemberpogrome von 1938
Mehr als 1.400 Synagogen, Betstuben sowie etwa 7.500 Geschäfte und Wohnungen wurden vor allem durch Angehörige der SA zerstört, jüdische Friedhöfe und andere Einrichtungen der Gemeinden verwüstet. Der Begriff "Pogrom" stammt aus dem Russischen und meint wörtlich übersetzt "Krawalle", "Verwüstung" oder "Zerstörung".
Von dieser Nacht im November 1938 ging das offizielle Signal für den größten Völkermord in der Geschichte aus. Von den Pogromen führte der Weg nach Auschwitz, Treblinka und Buchenwald. Dieser 9. November markiert den Übergang von der Diskriminierung und Ausgrenzung der jüdischen Bevölkerung hin zur systematischen Verfolgung und Ermordung.
Landrat Ralf Reinhardt: "Die Reichspogromnacht 1938 war der Höhepunkt des Zivilisationsbruchs durch das Nazi-Regime, dem weitere unvorstellbare Verbrechen der Nationalsozialisten folgten, die in der systematischen Ermordung von sechs Millionen Menschen jüdischen Glaubens mündeten. Die Geschehnisse von damals müssen uns auch heute daran erinnern, wie wichtig es ist, Antisemitismus, Faschismus und Rassismus mit Überzeugung entgegenzutreten und unsere Demokratie gegen Feinde von innen wie von außen zu verteidigen. Es erschüttert mich, wenn die Verbrechen von damals relativiert werden und sich jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger nicht mehr trauen, am öffentlichen Leben teilzunehmen. Um es zu wiederholen: Hass und Hetze dürfen bei uns niemals Platz haben, Antisemitismus darf keine Chance haben – niemals!"
Gedenk- und Erinnerungsveranstaltungen finden unter anderem in Kyritz und Neuruppin statt. Am Montag, 9. November 2026, wird es eine Kranzniederlegung auf dem Jüdischen Friedhof von Kyritz geben. Treffpunkt ist um 17 Uhr an den Stolpersteinen in der Prinzenstraße. Ebenfalls für diesen Tag wird zu einer Gedenkversammlung in Neuruppin aufgerufen. Der Kundgebungsort befindet sich vor dem Hauptgebäude des Universitätsklinikums Ruppin-Brandenburg an den dort verlegten Stolpersteinen. Beginn ist um 17 Uhr.
In Wittstock/Dosse sind für den 9. November 2026 ein Gang zum jüdischen Friedhof, ein Gedenken an den Stolpersteinen auf dem Markplatz sowie ein Beisammensein im Catharina-Dänicke-Haus geplant. Treffpunkt ist um 17 Uhr an der Wittstocker St. Marien-Kirche. Veranstalter sind das Aktionsbündnis "Wittstock bekennt Farbe", die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Wittstock sowie die Gedenkstätte Todesmarsch im Belower Wald.
Der HangarFilmClub aus Neuruppin lädt gemeinsam mit dem Aktionsbündnis "Neuruppin bleibt bunt" für den 11. November 2026 zu einer besonderen Filmvorführung um 20 Uhr im Hangar 312, Hugo-Eckener-Ring 40, ein. Gezeigt wird der Film "Albrecht Weinberg - Es ist immer in meinem Kopf". Er führt uns vor Augen, was unsere Vorfahren unschuldigen Menschen angetan haben, aber auch, welch großes Herz sich Überlebende des Holocausts bewahren konnten. Albrecht Weinberg hat den Holocaust überlebt. Sechzig Jahre nach dem Exil in Amerika kehrt er in seine alte Heimat Ostfriesland zurück. Nicht, weil er Deutschland noch einmal sehen will, sondern weil er fast blind ist und auf Hilfe angewiesen ist. In Leer kommt er am vermeintlichen Ende seines Lebens an — und findet dort etwas, womit niemand mehr gerechnet hat: einen Neubeginn an der Seite von Gerda Dänekas, einst seine Pflegerin, nun seine Freundin und Mitbewohnerin. Zusammen sind sie die älteste WG Deutschlands. Und Albrecht beginnt zu erzählen: von seinem Leben, von "Mama" und "Papa", von dem, was bleibt, wenn alles verloren ging. Der Zuschauer erlebt, wie Schüler neben dem alten Mann im Rollstuhl hinknien und in Tränen ausbrechen, weil die Wucht seiner Geschichte kaum auszuhalten ist. Albrecht trägt das Grauen in seinem Kopf, und im Herzen ein kindliches Vertrauen gegenüber den Menschen, die ihm begegnen. Zugewandt, liebevoll, immer neugierig und offen. Albrecht Weinberg starb am 12. Mai 2026 im Alter von 101 Jahren. Er hinterlässt Hunderte Freunde und Weggefährten sowie seine beste Freundin Gerda, die nun nicht mehr mit Albrecht, aber mit seinem Film durch Deutschland reist – gegen das Vergessen.
Ergänzt wird der Film durch die Animation "Ungeklärte Eigentumsverhältnisse". Sie erinnert an den Kunstsammler Max Silberberg. Er wurde in Neuruppin geboren und in Auschwitz ermordet.