Deckel drauf in Scharfenberg!
Die letzte ehemalige Deponie im Landkreis OPR wird rekultiviert
Bagger bewegen Erdreich, zahlreiche Rohre werden verlegt – es tut sich jede Menge auf der ehemaligen Mülldeponie Scharfenberg, südlich des Wittstocker Stadtgebiets und in der Nähe des historisch bekannten Ortes, an dem während des Dreißigjährigen Krieges im Jahr 1636 eine berühmte Schlacht stattfand. Die seit fast 20 Jahren nicht mehr betriebene Deponie wird derzeit rekultiviert, und damit die letzte von ehemals drei Anlagen.
Scharfenberg war zeitgleich mit den Deponien in Kyritz-Strüwe und Krangen bei Neuruppin stillgelegt worden. Während in Strüwe und Krangen die Rekultivierung bereits abgeschlossen werden konnte, hat sie bei der kleinsten der drei Deponien in Scharfenberg erst in diesem Jahr begonnen. Die Rekultivierung einer stillgelegten Deponie umfasst dabei technische und bauliche Maßnahmen, um sie dauerhaft in die Landschaft einzubinden, die Umwelt zu schützen und den Wasserhaushalt zu regulieren.
Bevor ab Mitte der 1980er Jahre bis zur Schließung im Jahr 2005 hauptsächlich Siedlungsabfälle (Haus- und Restmüll) angeliefert und gelagert wurden, diente das etwa 4,5 Hektar große Areal als Kiesgrube. Die Gesamtabfallmenge, die in dem Deponiekörper ruht, wird auf rund 480.000 Kubikmeter geschätzt. Wichtig in diesem Zusammenhang: Die ehemalige Deponie darf nicht mit der in der Nähe befindlichen Abfallannahmestelle Scharfenberg verwechselt werden, die weiterhin aktiv ist und vom Landkreis OPR betrieben wird. Allerdings werden Abfälle hier nur angenommen und nicht dauerhaft gelagert.
Was passiert nun bei der seit Januar dieses Jahres laufenden Rekultivierung der alten Deponie, die durch das Unternehmen Strabag-Umwelttechnik durchgeführt wird? Zunächst geht es darum, die Profilierung des Deponiekörpers zu optimieren und die Oberflächen glattzuziehen. Der mit den Jahren entstandene Grünbewuchs wurde im Zuge dessen entfernt und damit begonnen, den Deponiekörper zu versiegeln. Das geschieht mit mehreren Schichten Sand, Kies sowie Geokunststoffen.
Diese aufwendige Abdichtung bestehend aus mehreren Schichten sorgt unter anderem dafür, dass nichts in den Deponiekörper – also an den gelagerten Abfall – gelangt, wie beispielsweise Regenwasser, aber auch keine Stoffe nach außen entweichen können. Eine Ausnahme sind Gase, die durch die Zersetzung des gelagerten Abfalls entstehen und die kontrolliert abgeführt werden. Dazu werden die Gase an insgesamt 18 ertüchtigten Brunnenstellen gesammelt und dann einer zentralen Gasfassungsanlage zu geführt. Zur Beschleunigung des Zersetzungsprozesses wird dem Deponiekörper über drei Eintragsbauwerke zusätzlich Sauerstoff zugeführt. Im Grunde funktioniert die rekultivierte Deponie dann wie eine riesige Kompostierungsanlage. Für eine Verwertung des Gases, etwa für die Energie- oder Wärmegewinnung, ist die anfallende Menge allerdings zu gering und die Qualität des Gases nicht gut genug.
Sicherheit steht natürlich auch bei einer rekultivierten Deponie an oberster Stelle. Auch nach Abschluss der laufenden Bauarbeiten, also frühestens Ende dieses Jahres, wird es verschiedene Nachsorgemaßnahmen geben, die vom Landkreis OPR überwacht werden. Die umzäunte rekultivierte Deponie wird nicht einfach ihrem Schicksal überlassen. Es werden beispielsweise regelmäßig Bodenluftproben genommen, denn die Deponie kann von unten her nicht abgedichtet werden. Ein Entweichen von Stoffen aus dem Deponiekörper ist zwar unwahrscheinlich, kann aber nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Darüber hinaus werden Setzungsmessungen vorgenommen, bei denen überprüft wird, ab sich das Profil an irgendeiner Stelle verändert, etwa in Form von Absenkungen.