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Vor etwas mehr sechs Jahren ging das Dorfmobil im Wusterhausener Ortsteil Barsikow an den Start, gefördert durch den Landkreis OPR. Zwar rollt das Dorfmobil weiter, aber die Bindefrist der Fördermaßnahme endete jetzt und die Zusammenarbeit mit dem Landkreis ist formal abgeschlossen. In seinem Schlussbericht blickt der Dorfverein Barsikow e.V. auf das Projekt zurück. 

Der 21. Februar 2020 ist ein besonderes Datum für die Dorfchronik von Barsikow: Damals wurde vor dem Alten Konsum, dem Treffpunkt des Dorfes, gemeinsam mit Landrat Ralf Reinhardt und Wusterhausens Bürgermeister Philipp Schulz eines der bundesweit ersten elektrischen Dorfmobile feierlich eingeweiht. 

Im Jahr davor hatte der Landkreis in einem Schreiben an die Kommunen die Frage in den Raum gestellt, wie Mobilitätdefiziten im ländlichen Raum entgegen getreten werden könnte und entsprechende Fördergelder für innovative Ideen in Aussicht gestellt. Das Dorfmobil-Konzept aus Barsikow ließ nicht lange auf sich warten, der Zuwendungsbescheid des Landkreises folgte im Juni 2019 mit einer fristgebundenen Zweckbindung von sechs Jahren. 80 Prozent der Anschaffungskosten für das Elektrofahrzeug – etwas mehr als 30.000 Euro – wurden vom Landkreis übernommen, darüber hinaus 100 Prozent der Kosten für die IT- und Ladeinfrastruktur des Projekts.

Im Grunde funktioniert das Dorfmobil von Barsikow ähnlich wie Carsharingmodelle in der Stadt. Wer sich unkompliziert registriert und alle Bedingungen für die Nutzung erfüllt hat, kann im Grunde mit dem Elektroauto losfahren, beispielsweise um Einkäufe zu erledigen oder den Arzttermin wahrzunehmen. Das Dorfmobil springt überall dort ein, wo zum Beispiel kein Auto vorhanden ist oder öffentliche Verkehrsmittel nicht verfügbar sind. Und wenn die Batterie des Autos nachgefüllt werden muss, wird sie an einem Ladepunkt im Dorf wieder aufgeladen. Abgerechnet wird zum Schluss, die Kosten halten sich in Grenzen. Auch Gäste, die zu Besuch in Barsikow sind, können sich das Dorfmobil ausleihen.

Nach sechs Jahren zieht der Dorfverein Barsikow e.V. in seinem jetzt übergebenen Abschlussbericht eine positive Bilanz. Das Projekt läuft seit dem 21. Februar 2020 erfolgreich und hat sich mittlerweile genügend finanzielle Mittel erarbeitet, um optimistisch in die Zukunft zu blicken. Das sechste Betriebsjahr konnte sogar mit einem positiven Jahresüberschuss nach Abschreibungen abgeschlossen werden und die Finanzierung wurde vorzeitig getilgt.

Mehr als 100.000 Kilometer konnte der Elektrowagen bisher zurücklegen, die meisten Nutzungen fanden im Sommer statt. Pro Tag gibt es im Schnitt eine Nutzung des Dorfmobils, durchschnittlich wurden pro Tour 44 Kilometer von den Nutzer:innen gefahren. In den sechs Jahren mussten zwei Mal die Tarife erhöht werden, unter anderem wegen gestiegener Strompreise und Versicherungskosten. 

Weitere Erkenntnisse aus dem Abschlussbericht: "Die wirtschaftliche Tragfähigkeit eines Dorfmobil-Projekts in kleinen Gemeinschaften wie Barsikow (190 Einwohner:innen) steht und fällt mit einer kleinen, engagierten Nutzergruppe. Vor diesem Hintergrund ist es für neue Dorfmobil-Projekte oder ein mögliches Nachfolgeprojekt unerlässlich, mindestens eine Handvoll Schlüsselnutzer frühzeitig zu identifizieren und aktiv einzubinden. Reine statistische Auswertungen greifen bei kleinen Gemeinschaften und Nutzerzahlen zu kurz. Trotz des erfolgreichen Betriebes in Barsikow muss festgehalten werden, dass das erhoffte Wachstum der Nutzung, auch bei sehr niedrigen Tarifen, nicht erreicht wurde. Technisch sind die Erfahrungen mit dem E-Auto und mit der für ein Dorfmobil nötigen Infrastruktur positiv. Es gibt auch nach 6 Jahren keine Indizien für eine Verschlechterung der Reichweite oder des Energieverbrauchs des Fahrzeugs."

Klar wurde auch nach diesen sechs Jahren, dass der Verzicht auf das eigene Auto vielen Menschen – nicht nur in Barsikow – immer noch schwerfällt. Für das Motto "Mieten statt besitzen" muss noch jede Menge Überzeugungsarbeit geleistet werden, vor allem im ländlichen Raum. Landrat Ralf Reinhardt lobte bei der Entgegennahme des Abschlussberichts den Mut und das Engagement des Dorfvereins Barsikow: "Das Besondere war damals, dass Sie nicht vorhersehen konnten, ob das Projekt wirklich zündet. Aber Barsikow hat gezeigt, dass es funktionieren kann. Es hat sich gelohnt, dran zu bleiben und das Projekt weiter zu entwickeln. Die hierbei gesammelten Erfahrungen sind wertvoll und wichtig für ähnliche Projekte in der Zukunft. Ich danke Ihnen allen sehr für diesen Einsatz und hoffe auf mögliche Nachahmer." 

Ganz ohne Wünsche wurde Ralf Reinhardt aber nicht aus Barsikow entlassen, denn wer Barsikow kennt, kann sich Stillstand in diesem Dorf in jeglicher Hinsicht nicht vorstellen. Und dazu gehört unter anderem auch eine Wiederbelebung der Bahnstrecke zwischen Neuruppin und Neustadt (Dosse), für die sich auch der Landkreis OPR mit Nachdruck einsetzt, und für die sich die Barsikower:innen irgendwann – wenn der Zug endlich wieder fahren sollte – einen Bedarfshalt auch an ihrem Bahnhof wünschen. 

Ausführliche Informationen und Auswertungen zum Dorfmobil-Projekt in Barsikow (Webseite)

Dorfmobil-Projektkoordinator Fabio Meister übergibt den Abschlussbericht im Alten Konsum an Landrat Ralf Reinhardt. © LK OPR
Dorfmobil-Projektkoordinator Fabio Meister übergibt den Abschlussbericht im Alten Konsum an Landrat Ralf Reinhardt. © LK OPR

26.06.2026 
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