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Jedes Jahr ab etwa Februar, wenn die Bodentemperaturen wieder steigen, verlassen viele Molche, Frösche und Kröten ihr Winterquartier. Während der Winterzeit haben sie sich an Land im weichen Boden verbuddelt oder in bereits vorhandenen Erdhöhlen versteckt. Auch Löcher in Steinhaufen oder Trockenmauern sowie größere Ast- und Laubhaufen bieten einen idealen Unterschlupf. Sobald sich die Tiere auf den Weg zu ihren Laichgewässern machen, begeben sie sich auf eine gefährliche Reise. Vielerorts führt ihr Weg nämlich über Straßen. Und das bedeutet für viele Tiere den sicheren Tod. Deshalb ist es erforderlich, die Tiere auf ihrem Weg zu unterstützen. Dies kann durch die Aufstellung von Amphibienschutzzäunen oder den Einbau von Amphibienleiteinrichtungen geschehen, wie jetzt in der Nähe von Karwe, einem Ortsteil von Neuruppin.

Im Jahr 2005 erhielt die untere Naturschutzbehörde des Landkreises Ostprignitz-Ruppin Hinweise darauf, dass auf der Kreisstraße K6828 zwischen Karwe und Altfriesack Frösche und Kröten überfahren werden. Eine Besichtigung vor Ort ergab dringenden Handlungsbedarf. So wurde durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der unteren Naturschutzbehörde innerhalb kürzester Zeit entlang der Straße ein etwa ein Kilometer langer Amphibienschutzzaun errichtet. Über einen Zeitraum von gut 30 Tagen wurde der Zaun täglich von Ehrenamtlern und Mitarbeiterinnen der Naturschutzbehörde kontrolliert, die in den Eimern vorgefundenen Tiere gezählt und sicher auf die andere Straßenseite befördert. In den Jahren 2006 bis 2017 erfolgte der Auf- und Abbau sowie die Betreuung und Kontrolle des Amphibienschutzzaunes im Rahmen von Beschäftigungsverhältnissen des zweiten Arbeitsmarktes. Danach war eine Förderung derartiger Maßnahmen leider nicht mehr möglich und die untere Naturschutzbehörde strebte die Errichtung einer stationären Anlage an, die nunmehr installiert werden konnte. Eine Amphibienleiteinrichtung bietet mehrere Vorteile: So müssen die Tiere nicht jeden Tag mühsam umgesetzt werden. Darüber hinaus werden die Tiere, die sich bisher in Eimern sammelten, nicht mehr so leichte Beute für natürliche Feinde wie etwa Waschbär oder Fuchs. Vor diesem Hintergrund besteht auch die große Hoffnung, dass sich durch die stationäre Einrichtung die zuletzt zurückgegangene Zahl an Amphibien wieder in eine positive Richtung entwickelt.

Die neue Amphibienleiteinrichtung an der K6828, die jetzt der Öffentlichkeit vorgestellt werden konnte, umfasst einen Abschnitt von knapp 230 Metern Länge. Die stationären Schutzanlagen, die es so bisher nicht an Kreisstraßen gegeben hat, sind dauerhafte Einrichtungen, die den Fröschen und Molchen den Zutritt zur Fahrbahn weitestgehend verwehren bzw. ihnen die gefahrlose Querung der Straße ermöglichen sollen. Dies wird durch die beidseitig parallel zur Fahrbahn angeordnete Einrichtung und die fünf in regelmäßigen Abständen neu hergestellten Durchlässe sichergestellt. Die Leiteinrichtungen in Verbindung mit den amphibiengerechten Durchlässen dienen somit der Vernetzung von Amphibien-Lebensräumen. Um eine Umwanderung der Leiteinrichtung zu verhindern, sind die Enden der Anlage jeweils U-förmig angeordnet.

Die Baukosten belaufen sich auf ca. 174.000 Euro. Durch die Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) und die Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg ist die gesamte Maßnahme (Planung, örtliche Bauüberwachung sowie Bau) zu 100 Prozent gefördert worden. Beteiligt an der Baumaßnahme waren u.a. das Ingenieurbüro Weiland aus Gransee (Planung und Ausschreibung), das Ingenieurbüro Ehrendreich aus Gnewikow (örtliche Bauüberwachung) sowie die bauausführende Firma Erd- und Wasserbau GmbH aus Wittstock/Dosse.

Aus Sicht des Landkreises wäre es wünschenswert, wenn weitere stationäre Amphibienleiteinrichtungen in Ostprignitz-Ruppin den Tieren ein Überleben sichern könnten, was aber vom jeweiligen Baulastträger (z.B. bei Landes- und Bundesstraßen) abhängig ist. So würden derartige Einrichtungen nach Einschätzung der Naturschutzbehörde etwa am Kuhburgsberg bei Neuruppin, am Zollhaus Dierberg sowie auch am Schulzensee bei Zühlen Sinn machen, da auch hier schützenswerte Amphibien regelmäßig "on tour" sind.

Amphibienleiteinrichtung bei Karwe © Landkreis OPR
Amphibienleiteinrichtung bei Karwe © Landkreis OPR

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